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Vaterschaft aus der Sicht von Vätern mit Behinderung

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Vaterschaft mit Behinderung ist kein neues soziales Phänomen, aber ein wenig untersuchtes, besonders bezüglich der Erlebnissicht von Vätern. Ergebnisse liefern wenige qualitative Studien, basierend auf geringer Fallzahl. [1]

Der persönliche Blick auf die eigene Behinderung ist bestimmend für die Haltung und Handlung als Vater. Väter mit positiven Selbstkonzept vermuten kaum Probleme oder negative Auswirkungen der Behinderung auf das Kind. Sie spüren geringeren Erfolgsdruck und weniger Sorgen hinsichtlich gelingendem Umgang mit dem Kind als Mütter mit Behinderung (Hermes 2003: 261). Vermutlich entscheidet auch das Behinderungbild der Partnerin und ihr daraus resultierendes Vertrauen in Kompetenzen über den väterlichen Spielraum (Behrisch 2005: 174). [2]

Erzieherisches Handeln ist teilweise durch die Erfordernisse aufgrund der Behinderung geprägt, teilweise ein Ergebnis von erzieherischer Vorstellung und Auswirkung der Behinderung. In der Auseinandersetzung mit der Rollenerwartung als starker Mann betonen körperbehinderte Väter als Kompensation mögliche Aktivitäten mit dem Kind (Behrendt 1998: 259). Zugeständnisse an die Unerfüllbarkeit von Aktivitäten mit dem Kind hängen mit der Behinderungsart zusammen. Blinde Väter haben einen geringeren Spielraum als körperbehinderte Väter ihre Einschränkung der Tätigkeit als mangelnde Bereitschaft angeben zu können (Behrisch 2005: 182). [3]

Generell werden gesellschaftliche Erwartungen als eigenes Leitbild wie Berufstätigkeit eher da übernommen, wo sie erfüllbar sind. Das Zusammenleben mit Kindern ermöglicht Vätern ein Leben in „Normalität“. Die Adaption kindlicher Verhaltensweisen an die Möglichkeiten des Vaters verhindert permanente Erinnerung an „abweichende“ Bedürfnisse (Behrisch 2005: 176). Reaktionen auf die Vaterschaft außerhalb der Familie erfolgen zumeist in negativer Form, da väterliche Kompetenzen und Zuständigkeiten von Einzelpersonen und Institutionen abgesprochen werden. Akzeptanz stellt eher eine Art „Gewöhnungs-Effekt“ dar. [4]

  • Literatur:

     

    Behrendt, M. (1998). Die Situation von körperbehinderten Eltern. Hamburg: Dissertation.

    Behrisch, B. (2005). Vaterschaft, Erziehung und Alltagerleben von Vätern mit Behinderung. Berlin: Unveröffentl. Diplomarbeit.

    Hermes, G. (2003). Zur Situation behinderter Eltern. Marburg: Dissertation.

  • Zitationsvorschlag:

     

    Behrisch, Birgit (2005). Vaterschaft aus der Sicht von Vätern mit Behinderung. In A. G. i. d. E. Freie Universität Berlin (Hrsg.), Glossar Geschlechterforschung. Verfügbar unter http://userpage.fu-berlin.de/~glossar/.

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Dr. Birgit Behrisch wurde 1980 geboren und studierte Allgemeine Sprachwissenschaften, Evangelische Theologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Potsdam und der Freien Universität Berlin (FU), an der sie 2005 mit einem Diplom in den Erziehungswissenschaften abschloss. Zwischen 2007 und 2012 war sie Promotionsstipendiatin des Evangelischen Studienwerks Villigst und wurde 2012 aufgrund ihrer Arbeit zu „Leiberfahrung  – Körperbetrachtung – Wirklichkeit – (Ehe-)Partnerschaftliche Konstruktion von ‚Behinderung’“ an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Seit 2009 ist sie Lehrbeauftragte an der Alice Salomon Hochschule Berlin und seit 2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut „Mensch, Ethik und Wissenschaft“ in Berlin.

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