Das Gender Glossar ist ein Online-Nachschlagewerk, in dem Wissen um Geschlecht und Sexualität multiperspektivisch, inter- und transdisziplinär sowie diskurskritisch dargestellt und öffentlich zugänglich gemacht wird. Ziel des Gender Glossars ist es, ein kostenloses, fundiertes und zitierfähiges Nachschlagewerk aufzubauen, in dem allen Interessierten aus der Wissenschaft – Forschenden, Lehrenden, Studierenden – und aus der Gesellschaft insgesamt – z. B. Politiker_innen, Journalist_innen, Aktivist_innen – wissenschaftliche Beiträge zu Begriffen, Themen, Personen und Organisationen aus den Gender Studies online zur Verfügung gestellt werden.

Das Gender Glossar bietet sowohl Nachwuchswissenschaftler_innen als auch bereits etablierten Forschenden die Möglichkeit, unter ihrem Namen handbuchähnliche Beiträge zu bestimmten Lemmata aus den Gender Studies sowie aus angrenzenden Wissenschaften und Themengebieten zu veröffentlichen. Aktivist_innen werden zu Beiträgen eingeladen, die sich spezifisch auf Aktivismus beziehen bzw. zu solchen Artikeln, die theoretisch-aktivistische Kontroversen im Blick haben sollen. Durch die Zusammenarbeit mit anerkannten Wissenschaftler_innen, die als Gutachter_innen fungieren, werden im Blind-Peer-Review-Verfahren Qualität und Aktualität der veröffentlichten Beiträge gewährleistet.

Die Überarbeitung der Glossarartikel erfolgt kontinuierlich in mehrjährigen Abständen. Dabei bleiben ursprüngliche und ältere Versionen des Artikels über eine Archiv-Funktion erhalten, so dass über das Gender-Glossar perspektivisch auch historische Studien zur Entwicklung von Forschungsschwerpunkten möglich werden.

Das Glossar ist an der Universität Leipzig an die Professur von Barbara Drinck angegliedert und dort im Juli 2013 gestartet. Sie gibt das Gender Glossar gemeinsam mit Ilse Nagelschmidt vom Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Leipzig und Heinz-Jürgen Voss von der Hochschule Merseburg heraus.

Das Gender Glossar kann unter der ISSN 2366-5580 identifiziert werden.

 

Geschichte des Glossars

Das Online Gender Glossar entstand aus dem Projekt Glossar Geschlechterforschung der Freien Universität Berlin im Jahr 2003. Projektleiterin war damals bereits Barbara Drinck, die von 2002 bis 2006 den Arbeitsbereich Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie an der Freien Universität leitete. Zusammen mit ihren Mitarbeiter_innen konzipierte sie ein Glossar, bei dem mit Hilfe einer leicht zugänglichen Onlineplattform vornehmlich Studierende und Nachwuchswissenschaftler_innen Definitionstexte auf hohem akademischen Niveau nicht nur schreiben und diskutieren, sondern auch veröffentlichen konnten. Das damalige Projekt suchte seinen Weg in die wissenschaftliche Gemeinschaft zu einer Zeit, in der die Quellenfähigkeit von Onlineinformationen und Internetseiten aufgrund erst geringer Ausdifferenzierung von Standards weithin bezweifelt wurde. Community-basierte Projekte wie die deutschsprachige Wikipedia, die 2003 ihren zehntausendsten Artikel aufnahm, bildeten trotz weiter Entfernung zu wissenschaftlichen Veröffentlichungskonventionen eine echte Konkurrenz für das Glossar.

Nach dem Wechsel von Barbara Drinck an die Universität Leipzig im Jahr 2006 und der Übernahme einer Professur an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät (2010) wurde das Online Gender Glossar von ihr und einem Team von Mitarbeiter_innen konzeptionell überarbeitet. Die Berücksichtigung etablierter Rezeptionspattern für Onlinedatenbanken wurde nun gleichberechtigt mit wissenschaftlichen Veröffentlichungsstandards als grundlegende Anforderungen an ein derartiges Projekt verstanden. Zusammen mit Ilse Nagelschmidt - Professorin für neuere und neuste deutsche Literatur und Direktorin des Zentrums für Frauen und Geschlechterforschung (FraGes) - begann die Wiederaufnahme der Arbeit am Glossar im September 2012.

Mit einer neu entwickelten und flexiblen Plattform, interdisziplinären Reviewer_innen und einer gut vernetzten Autor_innengruppe stellt das Gender Glossar der wissenschaftlichen Gemeinschaft seit März 2013 eine stetig wachsende Zahl verlässlicher Definitions- und Einordungstexte von gendertheoretischer und gesellschaftlicher Relevanz frei zur Verfügung.