Sylka Scholz


sylka-scholzProf. Dr. Sylka Scholz studierte Kulturwissenschaft und Soziologie an der Humboldt-Universität Berlin. Von 1996-2002 arbeitete sie am Lehrstuhl für Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Potsdam, an der sie 2003 mit der biographischen Studie „Männlichkeit erzählen. Identitätskonstruktionen ostdeutscher Männer“ promoviert wurde. Nach einer Gastprofessur an der Universität Hildesheim war sie an der Technischen Universität (TU) Dresden tätig, an der sie sich 2009 mit einer Arbeit zum Thema „Diversifizierung und Delegitimierung männlicher Herrschaft. Studien aus den sozialen Feldern Arbeit, Militär und Politik“ habilitierte. Seit 2014 ist sie Professorin für Qualitative Methoden und Mikrosoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Kontakt:  sylka.scholz@uni-jena.de

Männlichkeit in der Soziologie

Die soziologische Disziplin zeichnete sich in ihren Anfängen seit Ende des 19. Jahrhunderts, ähnlich wie viele Wissenschaftsdisziplinen, durch eine geringe Aufmerksamkeit gegenüber der Kategorie Geschlecht aus. Die wenigen Soziologinnen, welche in der Anfangszeit Geschlecht thematisierten, wendeten sich dem unterdrückten weiblichen Geschlecht zu (Hering, 2008). Einzig Georg Simmel (1858-1918) wies in seinen Analysen bereits darauf hin, dass „im geschichtlichen Leben unserer Gattung die Gleichung: objektiv = männlich [besteht]“ (Simmel, 1985, S. 200). So nahmen die Soziologen meist nur den Mann in den Blick, den sie als Repräsentant des „schlechthin Allgemeine[n]“ (Simmel, 1985, S. 214) verstanden. Dieses Phänomen wurde erst in den 1970er Jahren mit dem Entstehen der Frauenforschung öffentlich thematisiert und skandalisiert (vgl. Mies, 1978). In der Folge entstand eine Reihe von empirischen Untersuchungen und theoretischen Konzepten, die sich den Lebenswelten, Sichtweisen und Identitätsentwürfen von Frauen näherten. Diese Arbeiten waren mit „mehr oder minder explizit gemachten Annahmen über den Mann und Männlichkeit“ (Meuser, 2006a, S. 11) verbunden. Dass dieser Blick oftmals einseitig war, wurde Mitte der 1980er Jahre in der Frauenforschung kritisiert. In der Folge entstand eine Debatte zu der Frage, ob und wie Männer und Männlichkeit Gegenstand der feministischen Forschung sein könnten, diese Diskussion brach jedoch Ende der 1980er Jahre ab (Bereswill, Meuser & Scholz, 2009). [1]

weiterlesen ...