Morvarid Dehnavi


morvariddehnaviDr. Morvarid Dehnavi studierte bis 2006 Erziehungswissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Von 2006 bis 2012 war sie Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Allgemeine Erziehungswissenschaft, insbesondere Historische Bildungsforschung, an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Ihre Dissertation mit dem Titel „Das politisierte Geschlecht. Biographische Wege zum Studentinnenprotest von ‚1968‘ und zur Neuen Frauenbewegung“ erschien im Jahr 2013 und wurde mit dem Wissenschaftspreis der Helmut-Schmidt-Universität ausgezeichnet. Von 2012 bis 2013 arbeitete sie als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Forschungsprojekt „Fachlaufbahnen – Alternative Laufbahnentwicklung für Frauen und Männer in Unternehmen“ am Institut für Personalmanagement und Internationales Management in Hamburg. Seit 2012 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Allgemeine Erziehungswissenschaft und arbeitet an ihrer Habilitationsschrift zum Thema schulische Sozialisation von Jugendlichen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Sozialisationsforschung, Geschichte von Familie, Schule, Kindheit und Jugend, Geschlechterforschung, Bildungssystementwicklung, Politische Bewegungen, Biographieforschung und Methoden qualitativer Forschung.

Kontakt: dehnavi@hsu-hh.de

Frauenbewegungen in Deutschland

Frauenbewegung in Deutschland steht für kollektive Bestrebungen von vornehmlich Frauen in Gruppen, Organisationen und Netzwerken für die Gleichstellung der Geschlechter auf sozialer, kultureller, rechtlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene unter Berücksichtigung der Differenz der Geschlechter (vgl. Gerhard, 1999, S. 87). Erste Betrachtungen von Frauenbewegungen als Phänomen und Gegenstand der Wissenschaft finden sich bereits im 19. Jahrhundert und nehmen im 20. Jahrhundert deutlich zu. Während in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Publikationen erscheinen, die sowohl die kulturellen Bedingungen von Frauenbewegungen national und international als auch die Werke und Biographien von historischen Protagonistinnen untersuchen (vgl. Lange & Bäumer, 1901–1906; Adler, 2014 [1906]), kommt es im Nationalsozialismus und nach 1945 nahezu zu einem Stillstand der Forschung in Deutschland. Ab den 1970er Jahren nehmen historiographische Studien zur Frauenbewegung zu, die als Teil der Frauenforschung das Handeln von Frauen in der Vergangenheit systematisch sichtbar machen wollen. Mit diesem geschichtswissenschaftlichen Zugang werden auch eine feministische Wissenschaftskritik und die Forderung nach einer Neuschreibung der Geschichte formuliert, in der Frauen Akteurinnen der Geschichte sind. Ein weiterer Ansatz zur Erforschung von Frauenbewegungen kommt seit den 1970er Jahren aus der sozialen Bewegungsforschung. Diese erfuhr zunächst Kritik, da sie Frauenbewegung nicht in ihrer Gesamtwirkung als eigenständige und politische, sondern lediglich als thematisch begrenzte Bewegung analysierte. In einer erweiterten Perspektive ist sie heute selbstverständlicher Teil einer transnationalen Bewegungsforschung, die kollektives soziales Handeln unter Berücksichtigung politischer Kontexte, ihrer Transformationen und Gelegenheitsstrukturen analysiert (vgl. Gerhard, 2008; Lenz, 2004). [1]

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