Alphabetisches Glossar

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Der Begriff Geschlechterdispositiv verweist auf den Dispositiv-Begriff bei Michel Foucault und umfasst das machtvolle Zusammenspiel von hegemonialen Geschlechternormen in Gestalt von gesellschaftlich-kulturellen Leitbildern (Diskursen), von institutionellen Regelungen wie Geschlechtsrollenverteilungen (Institutionen), von vergeschlechtlichten Praktiken im Sinne des doing gender (Praxis) und von geschlechtlichen Identitätsangeboten (Subjektivität). Die Konstruktion von Geschlecht ist mit Machtbeziehungen und Wahrheitspolitiken verbunden. Das Geschlechterdispositiv stellt damit auch eine Analyseeinheit dar, die sich für eine empirische Forschung im Sinne einer relationalen Machtanalytik öffnet.

Hannah Arendt (1906–1975) war Philosophin und Professorin für politische Theorie an der Graduate Faculty der New School for Social Research, New York. Die Aneignung ihrer Texte in feministischer Theorie im deutschsprachigen und US-amerikanischen Raum wirkt bis heute zögerlich. Vorrangig wird ihr Werk „Vita activa“ (2003 [1958]) rezipiert. Arendt entwickelt hierin einen Begriff des Politischen, der bezüglich seiner Anschlussfähigkeit an feministische politische Theorie diskutiert wird. Auch Arendts Begriffe der Freiheit und der Pluralität bilden einen Bezugspunkt feministischer Auseinandersetzung.

Mit dem Begriff Heteronormativität wird die Naturalisierung und Privilegierung von Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit in Frage gestellt. Kritisiert werden nicht nur die auf Alltagswissen bezogene Annahme, es gäbe zwei gegensätzliche Geschlechter und diese seien sexuell aufeinander bezogen, sondern auch die mit Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität einhergehenden Privilegierungen und Marginalisierungen. Der Begriff tauchte erstmalig 1991 in Michael Warners Aufsatz „Introduction: Fear of a Queer Planet“ auf. Zentrale Bezugspunkte der Analysen von Heteronormativität stellen Foucaults Untersuchungen zum Zusammenhang von Sexualität und Macht sowie Butlers Theorie der Subjektkonstitution im Rahmen der heterosexuellen Matrix oder der heterosexuellen Hegemonie dar.

Der Begriff HipHop-Feminismus wurde von der amerikanischen Kulturkritikerin Joan Morgan etabliert und beschreibt einen Feminismus, der den Lebenswelten HipHop-sozialisierter Frauen (of color) gerechter werden soll. Neben der selbstreflexiven Auseinandersetzung mit der eigenen Positionierung innerhalb einer als sexistisch geltenden Kultur, zählen auch kritische Diskurse um rassisierte Repräsentationen von women of color und die Aufarbeitung weiblicher HipHop-Geschichte zu den Themen des HipHop-Feminismus.

Mit dem Begriff der Intersektionalität wird die Verschränkung verschiedener Ungleichheit generierender Strukturkategorien, wie Geschlecht, Ethnizität, Klasse, Nationalität, Sexualität, Alter etc. erfasst. Er soll aufzeigen, dass keine dieser Kategorien alleine steht, sondern sowohl für sich als auch im Zusammenspiel mit den anderen einen die gesellschaftlichen Machtverhältnisse mitkonstituierenden Effekt hat. Die historischen Wurzeln liegen im 19. Jahrhundert und gehen auf die Erfahrungen Schwarzer Frauen und Lesben zurück, die sich im Feminismus westlicher weißer Mittelschichtsfrauen nicht wiederfanden. Leslie McCall unterscheidet drei methodologische Zugänge: den anti-kategorialen Ansatz, den intra-kategorialen Ansatz und den inter-kategorialen Ansatz.

Jineterismo, eine neuartige Form der Sexarbeit in Kuba, entstand im Zuge des Zusammenbruchs des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW bzw. Comecon) und dem damit verbundenen aufkommenden Tourismus-Boom auf der Insel. Mädchen und Frauen sind am stärksten in diese neue Form der Prostitution involviert. Um den ihnen verwehrten Zugang zu Waren zu nutzen, boten und bieten viele junge Kubaner_innen Tourist_innen im Austausch sexuelle Dienste an. Inzwischen wird der Begriff jineterismo häufig auch über den sexuellen Bereich hinaus auf alle Tätigkeiten übertragen, die dem jinetero oder der jinetera Devisen einbringen.

Männliche Herrschaft ist ein soziologisches Konzept von Pierre Bourdieu zur Untersuchung der sozialen und symbolischen Kräfteverhältnisse zwischen den Geschlechtern. Das Konzept entwickelt Bourdieu auf der Grundlage ethnologischer Studien zur kabylischen Gesellschaft, die er in den 1960er Jahren in Algerien durchführte. Bourdieu zeigt dabei, wie der Habitus vergeschlechtlichte Konstruktionen der Welt und des Körpers erzeugt, indem er als Speicher von vergeschlechtlichten Wahrnehmungs- und Bewertungskategorien und Schemata fungiert. Mit dem Konzept der Männlichen Herrschaft hat Bourdieu einen analytischen Schwerpunkt auf das Zusammenspiel von Habitus und symbolischer Ordnung gelegt, dessen Resultat die scheinbar binäre und natürliche Geschlechtereinteilung ist.

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