Feministische Filmtheorie

Feministische Filmtheorien erforschen Kino als kulturelle Institution und untersuchen vor allem seine geschlechtsspezifischen Repräsentationsstrategien, seine Subjektivitätskonzepte und seine geschlechterdifferenten Produktions- und Rezeptionsbedingungen. Zum Einsatz kommen dabei analytische Ansätze des Poststrukturalismus wie Semiotik, Psychoanalyse, Dekonstruktion und Diskuranalyse, aber auch ethnografische oder soziologische Modelle, welche die Geschlechterlogiken und -codierungen des Films sowie ihre Koinzidenz mit anderen Medien und kulturellen Phänomenen zu beschreiben ermöglichen. [1]

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Cultural Studies und Geschlecht

Von besonderer Bedeutung für die Thematisierung von Geschlecht in den Cultural Studies sind die Arbeiten von Rubin (1975) und Mulvey (1975), die in verschiedener Form auf marxistische, ethnologische und psychoanalytische Ansätze zurückgreifen. Im Unterschied zu mikrosoziologischen Studien im Bereich des Doing Gender gemäß der Ethnomethodologie sind es nun makrosoziale Wissensstrukturen und kollektive Praktiken, die über die Erziehung (familiäre Weitergabe des kulturellen Penis bei Rubin) oder den Film (Subjektpositionen des männlichen Blicks bei Mulvey) die Geschlechterunterscheidung und damit einhergehende Ungleichheiten reproduzieren. [1]

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Neuer Geschlechtervertrag

Der Geschlechtervertrag gilt als Grundlage für einen Gesellschaftsvertrag und als Bestandteil moderner Staatlichkeit (vgl. Wilde, 2009, S. 31). Er beschreibt einen fiktiven Vertrag zwischen den Geschlechtern, welcher die Beziehungen zwischen diesen regelt und dabei Männern und Frauen unterschiedliche Rechte und Pflichten zuweist. Das Konzept des Geschlechtervertrags basiert auf der Annahme, dass es „in allen modernen Gesellschaften einen historisch gewachsenen sozio-kulturellen Konsens über die jeweilige Ausprägung der Verkehrsformen der Geschlechter, ein gemeinsam von Männern und Frauen getragenes Leitbild und Lebensmuster über die ,richtige’ Form der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, die Familienform und die Art und Weise der Integration der beiden Geschlechter in die Gesellschaft über den Arbeitsmarkt und / oder über die Familie gibt“ (Schenk, 1995, S. 478; vgl. Patemann 1988, 1994). Die britische Kultur- und Kommunikationswissenschaftlerin sowie cultural studies-Vertreterin Angela McRobbie greift dieses Konzept auf und diagnostiziert einen Neuen Geschlechtervertrag. In ihrer Studie „Top Girls – Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes” (McRobbie, 2010) konstatiert sie, dass gegenwärtig jungen und gut ausgebildeten Frauen aus westlichen Ländern von Seiten neoliberaler Regierungsformen und Popkulturen ein Neuer Geschlechtervertrag („new sexual contract or new deal for young women“) (McRobbie, 2009, S. 57) ,angeboten‘ wird. McRobbie orientiert sich in ihrer Begriffsverwendung des Neuen Geschlechtervertrags vor allem an Carol Patemans Bezeichnung „The Sexual Contract“ (1988). Mit diesem Terminus kritisiert Pateman, dass es sich beim Gesellschaftsvertrag um eine bürgerliche Vertragsidee unter Männern handelt. Diese gründet auf geschlechtsspezifischen, androzentrischen Perspektiven, welche Frauen den Zugang zur öffentlichen Sphäre verwehren. (vgl. Sauer, 2001, S. 123). [1]

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