Dekonstruktion

Der Begriff der Dekonstruktion bezeichnet ein durch den poststrukturalistischen Philosophen Jacques Derrida entwickeltes Lektüreverfahren, das sich gegen den tradierten hermeneutischen Ansatz richtet. Die Dekonstruktion stellt eine letztgültige, im Text enthaltene Bedeutung in Abrede, legt als „ein gewissermaßen subversives Prinzip der Annäherung an Texte ‚von innen her‘“ (Zapf, 2008, S. 116) Brüche und Verwerfungen frei und postuliert die Unabschließbarkeit des Interpretationsvorgangs. Statt selbst einen Sinn zu behaupten, erfüllt sich der Zweck der Dekonstruktion in der Prozessualität, das heißt im Akt des Fragens selbst: „Dekonstruktion meint Unterwegssein“ (Wetzel, 2010, S. 23). [1]

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Poststrukturalismus

Unter dem Begriff des Poststrukturalismus wird eine disparate, auf den Axiomen des Strukturalismus aufbauende und diese zugleich überwindende Strömung verstanden, die sowohl innerhalb der Sozial- und Kulturwissenschaften als auch in interdisziplinär organisierten Feldern (wie den Gender Studies oder den Postcolonial Studies) von großer Tragweite ist. Poststrukturalistische Theoriebildung wird vor allem mit Theoretikern wie der Psychoanalytikerin Julia Kristeva und dem Psychoanalytiker Jacques Lacan, dem Philosophen Jacques Derrida, dem Erzählforscher Roland Barthes sowie dem Historiker Michel Foucault verbunden. [1]

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Maskerade

Trotz der etymologischen Verwandtschaft ist der Begriff der Maskerade im wissenschaftlichen Diskurs vom Begriff der Maske (entlehnt aus dem französischen masque für Gesichtslarve, Kostüm, Verkleideter; vgl. auch mittellateinisch masca für Hexe sowie arabisch maskharat für Possenreißer) zu unterscheiden, welcher in anthropologischen und theaterwissenschaftlichen Kontexten vor allem die Verkleidung des Gesichts in volkstümlich-rituellen Kontexten (antikes Theater, Commedia dell’arte, traditioneller Karneval) bezeichnet (vgl. Fischer-Lichte, 1994, S. 100-111; Weihe, 2004; Unger, 2007). Demgegenüber werden in den Theater-, Film- und Literaturwissenschaften sowie in der Philosophie und der Psychologie unter Maskerade vor allem Strategien der Inszenierung von Geschlechtsidentitäten verstanden, weshalb synonymisch häufig von Geschlechtermaskerade die Rede ist (vgl. Stritzke, 2008). [1]

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Postkoloniale Theorie

Postkoloniale Theorie bezeichnet ein breites Spektrum theoretischer Zugänge zu und kritischer Auseinandersetzungen mit historischen und gegenwärtigen Machtverhältnissen, die im Zusammenhang mit dem europäischen Kolonialismus und seinen bis heute währenden Fortschreibungen stehen. Vier zentrale Anliegen postkolonialer Theorie können formuliert werden: (1) die Analyse der Konstruktion von in binärer Opposition stehenden Selbst- und Fremdrepräsentationen (Othering) in einem historischen Prozess, der durch wechselseitige Konstitution und strukturelle Ungleichheit geprägt ist (vgl. Amos & Parmar, 1984; Mohanty, 1997; Said, 1978); (2) die Untersuchung von Machtrelationen, Ausbeutung und Hierarchien, welche mittels kultureller Repräsentation und politischer Kontrolle stabilisiert werden (vgl.  Bhabha, 1994; hooks, 1989; Spivak, 1988, 1994); (3) die Analyse von Kolonisierung als gewaltsamen Prozess der Subjektkonstitution, die den domestizierten Anderen durch pädagogische und performative Praktiken erschafft (vgl. hooks, 1994, 2003, 2010); und (4) die Transformation von kolonialen (Ohn-)Machtkonzepten, die das koloniale Subjekt als handlungsunfähiges Objekt konstruieren, in (selbst-)ermächtigende Handlungskonzepte (vgl. agency bei Homi K. Bhabha, 1994 und Konzept des talking back bei bell hooks, 1989). Neben das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse tritt ein normatives political commitment, das sich in einer parteilichen, bisweilen intervenierenden Wissenschaftspraxis äußert. Der zum Teil synonym verwendete Begriff Postkoloniale Kritik rückt das politische Engagement stärker in den Fokus. [1]

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Feministische Filmtheorie

Feministische Filmtheorien erforschen Kino als kulturelle Institution und untersuchen vor allem seine geschlechtsspezifischen Repräsentationsstrategien, seine Subjektivitätskonzepte und seine geschlechterdifferenten Produktions- und Rezeptionsbedingungen. Zum Einsatz kommen dabei analytische Ansätze des Poststrukturalismus wie Semiotik, Psychoanalyse, Dekonstruktion und Diskuranalyse, aber auch ethnografische oder soziologische Modelle, welche die Geschlechterlogiken und -codierungen des Films sowie ihre Koinzidenz mit anderen Medien und kulturellen Phänomenen zu beschreiben ermöglichen. [1]

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Männlichkeit in der Literaturwissenschaft

Da die Männlichkeitsforschung, die sich jenseits von biologischem Essentialismus der Erforschung kultureller Vorstellungen über das Geschlecht des Mannes verschrieben hat, relativ spät Akzeptanz in der Geschlechterforschung fand, hat sich auch in der Literaturwissenschaft erst im Lauf der 1990er-Jahre ein umfassendes Interesse an der Kategorie Männlichkeit eingestellt. [1]

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Queer Politics

Mit Queer Politics (dt.: Queere Politik) wird im Allgemeinen eine spezifische Form des politischen Aktivismus beschrieben. Queerpolitische Ansätze fokussieren insbesondere eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konstruktionsprozessen von Geschlecht und Sexualität, die sozialen Folgen solcher Prozesse und ihre Einbindung in Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Das Wort queer bedeutet unter anderem merkwürdig oder seltsam (vgl. Hark, 2003, S. 109) und wird im US-amerikanischen Sprachraum umgangssprachlich als pejorative Bezeichnung für Schwule und Lesben gebraucht (vgl. Kraß, 2010, S. 7). Demgegenüber dient queer verschiedenen nicht-heteronormativen Akteur_innen heute auch als affirmative Selbstbezeichnung (vgl. Groß, 2008, S. 46). Im Kontext der Queer Theory (Jagose, 2001; Butler, 1991; De Lauretis, 1991) und der Queer Studies (vgl. Kraß, 2010) verweist der Begriff auf eine Denkrichtung innerhalb der neueren Geschlechterforschung. Politics beschreibt den aktiven, meist konflikthaften Prozess politischer Gestaltung. Der Begriff verweist damit auf die prozessuale Dimension von Politik und ist von Polity (formale Dimension) und Policy (inhaltliche Dimension) abzugrenzen (vgl. Nohlen, Schultze & Schüttemeyer, 1998, S. 487). [1]

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