Genderkompetenz

Unter Kompetenzen sind allgemein „Fähigkeiten und Bereitschaften“ zu „verstehen, die zur Bewältigung komplexer (meist beruflicher) Aufgaben erforderlich sind“ (Schaper, 2012, 13). Im Anschluss daran kann Genderkompetenz als die Fähigkeit und die Motivation bezeichnet werden, soziale Zuschreibungen in Bezug auf Geschlecht auf Grundlage des Wissens über ihre Entstehung und ihre Auswirkungen auf gesellschaftliche Machtverhältnisse kritisch reflektieren zu können. Außerdem verweist der Begriff auf die Fähigkeit, das Wissen so anwenden zu können, dass das eigene Handeln zu einem Abbau von Ungleichheiten in den Geschlechterverhältnissen beiträgt (vgl. Blickhäuser & von Bargen, 2006, S. 12; Krammer, 2012). Genderkompetenz setzt sich insofern aus den Elementen Wollen, Wissen und Können zusammen (Budde & Venth, 2010, S. 23). Genderkompetente Handlungsweisen erfordern ein entsprechendes Fachwissen aus der Frauen- und Geschlechterforschung, bestimmte Selbstkompetenzen im Hinblick auf die Fähigkeit, „Ambivalenzen, Ängste und Vorstellungen von den Geschlechtern“ bewusst wahrzunehmen (Kunert-Zier, 2005, S. 281) sowie Kenntnisse und Ideen zur Umsetzung in der Praxis (Kunert-Zier, 2005, S. 281). [1]

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Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming ist eine gleichstellungspolitische Strategie, die daraufhin ausgerichtet ist, sämtliche Entscheidungen in einer Organisation kritisch auf ihre Auswirkungen auf die von geschlechterbezogenen Ungleichheiten unterschiedlich geprägte Lebensrealität von Frauen und Männern zu überprüfen und diesbezüglich bestehende Differenzen abzubauen. Diese Strategie beinhaltet nach der viel zitierten Definition des Europarats folgende Elemente: “Gender mainstreaming is the (re)organisation, improvement, development and evaluation of policy processes, so that a gender equality perspective is incorporated in all policies at all levels and at all stages, by the actors normally involved in policy-making“ (Council of Europe, 2014). Die Entwicklung der Strategie geht auf die internationale Frauenbewegung und ihre Erfahrungen mit der Entwicklungspolitik zurück (Mense, 2010, S. 83-84; Stiegler, 2010, S. 934). Als verpflichtende Empfehlung wurde das Begriffspaar Gender Mainstreaming erstmals im Abschlussdokument der Aktionsplattform der vierten Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 verankert und von den Vereinten Nationen übernommen (United Nations, 1995; Mense, 2010, S. 84; Cordes, 2010). Die Europäische Union nahm Gender Mainstreaming 1997 / 1999 in den Amsterdamer Vertrag auf. Durch die Unterzeichnung des Vertrages ist Gender Mainstreaming in der BRD für alle Bereiche der Bundespolitik und der Bundesverwaltung verbindlich (Bock, Matthies, Riegraf & Zimmermann, 2005, S. 173). Implementiert ist die Strategie vor allem im öffentlichen Sektor, weniger in der Privatwirtschaft. In letzterer findet Gleichstellung vor allem im Zusammenhang mit Diversity Management Anwendung (Cordes, 2010, S. 929). Um die Jahrtausendwende wurde Gender Mainstreaming als Strategie mit einem hohen transformativen Potential wahrgenommen. Jedoch trat etwa ab Mitte der 2000er Jahre eine „Phase der Ambivalenz und Ernüchterung“ (Sauer, 2014, S. 38) ein, die bis heute andauert. Die Implementierung verlaufe schleppend und nach 15 Jahren betrachten vor allem auf nationaler Ebene Organisationen und öffentliche Behörden Geschlecht nach wie vor nicht als relevante Kategorie (Sauer, 2014, S. 38) [1].

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Gender Medizin

Gender Medizin (im englischen Gender-Specific Medicine oder kurz Gender Medicine) ist eine Disziplin der Humanmedizin, die den Einfluss von biologischem (Sex) und psychosozialem Geschlecht (Gender) gemäß dem bio-psycho-sozialen Modell von Gesundheit und Krankheit (Legato, 2009) berücksichtigt. Diese Fachrichtung untersucht Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen Männern und Frauen in Bezug auf Gesundheitserhaltung und -förderung, Entstehung von und Umgang mit Krankheiten sowie deren Diagnose und Behandlung. Ziel ist es, die Lebensqualität über die gesamte Lebensspanne zu erhalten und eine optimale medizinische Versorgung aller Geschlechter zu ermöglichen. Dabei findet in der Medizin üblicherweise ein binäres Geschlechtermodell (Mann/Frau) Verwendung, das nicht alle Vorstellungen eines vielfältigen Zusammenspiels möglicher Sex- und Genderkategorien berücksichtigt (Short, Yang & Jenkins, 2013). [1]

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