Daniela Heitzmann


daniela-heitzmannDaniela Heitzmann wurde 1983 geboren und studierte von 2002 bis 2008 Soziologie und Geschichte an den Universitäten in Gießen und Dresden. Nach ihrem Abschluss als Diplom-Soziologin mit einer Arbeit zur Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechterforschung an deutschen Universitäten arbeitete sie im Jahr 2009 als Beauftragte für Gleichstellungsmanagement beim Rektor der TU Dresden. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Arbeitsbereichs Gender & Diversity Studies (vormals: Gender Research Group) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In ihrer Promotion entwickelt sie mit den analytischen Instrumenten von Pierre Bourdieu eine soziologische Perspektive auf das Phänomen Fortpflanzung und untersucht damit einhergehende Differenzierungsprozesse.

Kontakt: heitzmann@gender.uni-kiel.de

Diversity

Unter Diversity (dt.: Vielfalt) wird die Heterogenität und Diversifizierung sozialer Lebenslagen und sozialer Zugehörigkeiten verstanden, die in Folge von unter anderem Migrationsbewegungen, veränderten Geschlechterbeziehungen und der Pluralisierung von Familienformen in westlichen Gesellschaften zunehmen bzw. stärker thematisiert werden als zuvor. Dabei ist eine Lesart vorherrschend, die Diversity als gesellschaftliche und besonders als ökonomische Ressource, als Potenzial, betrachtet. In diesem Zusammenhang weist Vertovec (2012) darauf hin, dass sich mit dem Diversitydiskurs ein allmählicher, tiefgreifender Wandel der social imaginary (der symbolischen Ordnung oder gesellschaftlichen Vorstellungswelt) abzeichnet, der zu einer zunehmenden Anerkennung von sozialer Komplexität führe. [1]

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Männliche Herrschaft

Die Männliche Herrschaft ist ein soziologisches Konzept von Pierre Bourdieu (1930-2002) zur Untersuchung der sozialen und symbolischen Kräfteverhältnisse zwischen den Geschlechtern (vgl. Bourdieu, 1997a, 1997b, 2001, 2005a). Im Mittelpunkt stehen soziale Klassifikationsprozesse auf der Ebene der sozialen Praxis, deren Resultat die als natürlich und legitim erscheinende „binär-hierarchisch heteronormative Einteilung der Menschen in zwei entgegengesetzte Geschlechter“ (Jäger, König & Maihofer, 2012, S. 20) ist. Die Männliche Herrschaft stellt für Bourdieu die „paradigmatische Form der symbolischen Herrschaft“ (Bourdieu & Wacquant, 2006, S. 208) dar. Es handelt sich nicht um eine genuine Geschlechtertheorie, vielmehr wendet Bourdieu seine soziologischen Erkenntniswerkzeuge (vor allem die Konzepte des Habitus und der symbolischen Gewalt) auf das Phänomen Geschlecht an (zur Anwendung auf die Prozesse der Rassifizierung und Ethnisierung vgl. Brubaker, 2009; Wacquant, 2001, 2008). Bourdieu interessieren die sozialen Mechanismen der Naturalisierung, also wie es zu einer „Enthistorisierung und […] relative[n] Verewigung der Strukturen der Geschlechterteilung“ (Perrot, Sintomer, Krais & Bourdieu, 2002, S. 300) kommt (vgl. Bourdieu, 2005a, S. 43). [1]

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Pierre Bourdieu

Pierre Bourdieu (1930-2002) war ein französischer Soziologie, der von 1981 bis 2001 einen Lehrstuhl für Soziologie am Collège de France innehatte. Die Entwicklung seines umfassenden Werks und die Entfaltung seiner soziologischen Perspektive sind eng mit seiner Lebensgeschichte verknüpft, wie es Bourdieu auch in seinem „Soziologischen Selbstversuch“ (vgl. Bourdieu, 2002) veranschaulicht hat. Geboren in einem kleinen Dorf am Fuße der Pyrenäen gelang Bourdieu der soziale Aufstieg in eine der renommiertesten Universitäten Frankreichs, der École normale supérieure de Paris, an der er 1954 seine Agrégation in Philosophie ablegte. Während seines Wehrdiensts im algerischen Befreiungskrieg ab Mitte der 1950er Jahre unternahm Bourdieu erste Untersuchungen zur Genese ökonomischer Haltungen und deren sozialer Bedingtheit (Bourdieu, 2000, S. 21). Mit diesen Studien wendete er sich zunehmend von der Philosophie ab und gelangte über die Ethnologie zur Soziologie. Bourdieu arbeitete mit einem breiten methodischen Spektrum und in meist großen Forschungsgruppen. Seine wissenschaftliche Vorgehensweise ist durch eine enge Verflechtung von Theorie und Empirie charakterisiert – theoretische Vorüberlegungen fundieren die empirischen Erhebungen, welche wiederum zur Weiterentwicklung und Modifikation der theoretischen Annahmen und für Generalisierungen dienen. Daher sind seine zentralen Konzepte und Begriffe wie Habitus und Feld als die „zwei Zustände des Sozialen“ (Bourdieu, 2001, S. 193), sozialer Raum und Kapital, die der Untersuchung der Klassenverhältnisse zugrunde liegen (vgl. Suderland, 2009b), nicht als eindeutig festgelegt und definiert zu verstehen, sondern als in verschiedenen Kontexten einsetzbare soziologische Erkenntniswerkzeuge (vgl. Krais, 2004, S. 173; Brubaker, 1993). [1]

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