Alexander Geimer


Jun. Prof. Alexander Geimer studierte Sozialwissenschaft, Soziologie und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Mannheim und der Eberhard Karls Universität Tübingen und schloss 2005 mit Magister Artium ab. Zwischen 2005 und 2007 war er unter anderem wissenschaftlicher Projektmitarbeiter an der Freien Universität Berlin (FU), arbeitete als Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Carl Ossietzky Universität Oldenburg (Institut für Pädagogik) und als Projektleiter für die „Evaluation des Prüfverfahrens der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM)“. 2009 wurde er aufgrund seiner Arbeit „Filmrezeption und Filmaneignung. Eine qualitativ-rekonstruktive Studie über Praktiken der Rezeption bei Jugendlichen“ an der Freien Universität Berlin promoviert. Bis 2012 nahm er verschiedene Lehraufträge (unter anderem an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) an, arbeitete erneut als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin (Arbeitsbereich Qualitative Bildungsforschung) und wurde im April 2012 zum Junior-Professor für Soziologie, insbesondere Methoden qualitativer Sozialforschung, an die Universität Hamburg berufen.

Kontakt:  alexander.geimer@wiso.uni-hamburg.de

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Undoing Gender

Das Konzept des Doing Gender nach West & Zimmerman ist in jüngerer Zeit in die Kritik geraten. Insbesondere Hirschauer (1994; 2001) hat die Frage aufgeworfen, ob durch die Annahme der Dauerrelevantsetzung das ethnomethodologische Forschungsprogramm verwässert wird. Mit seinem Vorschlag eines Undoing Gender weist er darauf hin, dass es je nach Kontext unterschiedliche Grade der Relevantsetzung von Geschlecht gibt. [1]

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Sex-Gender-Differenz

Die begriffliche Unterscheidung von Geschlecht als einerseits biologisches Faktum (Sex) sowie anderseits als Produkt kultureller und sozialer Prozesse (Gender) geht auf Arbeiten zur Transsexualität in den sechziger Jahren zurück (Stoller, 1968). Der feministische Diskurs griff die Unterscheidung auf und begriff sie in einem antibiologistischen Sinne: Soziale Ungleichheiten wurden nicht auf biologisch-körperliche Unterschiede zurückgeführt, wie es die Theorien und Alltagsannahmen über ‚Geschlechtscharaktere‘, über die ‚Natur‘ oder über das ‚Wesen‘ von Frauen und Männern postulierten (vgl. Bührmann, 1995), sondern auf das kulturelle Geschlecht und die Organisation der Gesellschaft. [1]

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Garfinkels Agnes-Studie

Harold Garfinkel (1967) untersucht in seiner ethnomethodologischen Studie über Agnes, die er mit einem Therapeuten im Prozess der Geschlechtsumwandlung begleitet, die Praktiken der alltäglichen, interaktiven Produktion des Geschlechts. Ähnlich wie in seinen Krisenexperimenten beobachtet er auch hier die Herstellung von ‚Normalität‘ anhand der Abweichung davon, in der Her- und Darstellung des Geschlechts durch die Mann-Frau-Transsexuelle Agnes. [1]

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Ethnomethodologie und Geschlecht

Die Prozesse der stetigen, interaktiven und lokalen Herstellung („ongoing accomplishment“, Garfinkel, 1967, S. 1) der Alltagswirklichkeit zu untersuchen, ist das Anliegen der Ethnomethodologie, die dem interpretativen Paradigma der Soziologie zugerechnet wird. Ihre leitende Frage lautet: Welcher Praktiken bedienen sich Gesellschaftsmitglieder, um die geordnete Struktur ihrer Alltagswelt interaktiv hervorzubringen (vgl. Garfinkel 1967, S. 4 & S. 11)? Geschlecht wird entsprechend als ein interaktiv hergestelltes Merkmal sozialer Ordnung begriffen. [1]

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Doing Gender

Das Konzept des Doing Gender geht auf Garfinkels ethnomethodologische Untersuchung der sozialen Konstruktion der Zwei-Geschlechtlichkeit (Agnes-Studie) zurück. Die unterschiedlichen Konzeptionen des Doing Gender variieren mit der Interpretation der Omnirelevanz-Annahme und des Garfinkelschen Accountability-Konzepts (Gildemeister, 2004). Ein Gegenentwurf findet sich im Konzept des Undoing Gender. [1]

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Cultural Studies und Geschlecht

Von besonderer Bedeutung für die Thematisierung von Geschlecht in den Cultural Studies sind die Arbeiten von Rubin (1975) und Mulvey (1975), die in verschiedener Form auf marxistische, ethnologische und psychoanalytische Ansätze zurückgreifen. Im Unterschied zu mikrosoziologischen Studien im Bereich des Doing Gender gemäß der Ethnomethodologie sind es nun makrosoziale Wissensstrukturen und kollektive Praktiken, die über die Erziehung (familiäre Weitergabe des kulturellen Penis bei Rubin) oder den Film (Subjektpositionen des männlichen Blicks bei Mulvey) die Geschlechterunterscheidung und damit einhergehende Ungleichheiten reproduzieren. [1]

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