Montag, 15 Dezember 2014 13:26

Queer Politics

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Mit Queer Politics (dt.: Queere Politik) wird im Allgemeinen eine spezifische Form des politischen Aktivismus beschrieben. Queerpolitische Ansätze fokussieren insbesondere eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konstruktionsprozessen von Geschlecht und Sexualität, die sozialen Folgen solcher Prozesse und ihre Einbindung in Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Das Wort queer bedeutet unter anderem merkwürdig oder seltsam (vgl. Hark, 2003, S. 109) und wird im US-amerikanischen Sprachraum umgangssprachlich als pejorative Bezeichnung für Schwule und Lesben gebraucht (vgl. Kraß, 2010, S. 7). Demgegenüber dient queer verschiedenen nicht-heteronormativen Akteur_innen heute auch als affirmative Selbstbezeichnung (vgl. Groß, 2008, S. 46). Im Kontext der Queer Theory (Jagose, 2001; Butler, 1991; De Lauretis, 1991) und der Queer Studies (vgl. Kraß, 2010) verweist der Begriff auf eine Denkrichtung innerhalb der neueren Geschlechterforschung. Politics beschreibt den aktiven, meist konflikthaften Prozess politischer Gestaltung. Der Begriff verweist damit auf die prozessuale Dimension von Politik und ist von Polity (formale Dimension) und Policy (inhaltliche Dimension) abzugrenzen (vgl. Nohlen, Schultze & Schüttemeyer, 1998, S. 487). [1]

Mittwoch, 12 November 2014 13:06

Mentoring

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Mentoring bedeutet im Wesentlichen die Weitergabe informeller Wissensbestände von einer erfahrenen an eine weniger erfahrene Person, von einer Mentorin bzw. einem Mentor an eine oder einen Mentee. Dieses Erfahrungswissen beinhaltet unter anderem die Informationen über Erwartungshaltungen im sozialen und beruflichen Umfeld, über günstige oder ungünstige Karrierewege sowie über Chancen und Barrieren in der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. Damit dieses Wissen als Allgemeingut gesellschaftlich wirksam werden kann, bedarf es der Vermittlung durch Mentorinnen und Mentoren. Diese fungieren darüber hinaus ebenfalls als Vorbild und können sowohl das Wahrnehmungs- als auch das Handlungsspektrum der Mentees erweitern. Dabei wird durch die individuelle Begegnung mit einem Rollenmodell vor allem auch Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht (vgl. Godshalk & Sosik, 2003). Mentoring-Programme unterstützen idealerweise Diskurse über die gesellschaftliche Verteilung von Geld, Macht und Anerkennung und ermöglichen individuelle, institutionelle sowie gesellschaftliche Revisionsprozesse. [1]

Sonntag, 26 Oktober 2014 15:04

Geschlechterdispositiv

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Die Bezeichnung Geschlechterdispositiv basiert auf dem Dispositivbegriff, wie er von dem Philosophen und Historiker Michel Foucault (1926-1984) eingeführt wurde. Er definiert das Dispositiv als ein „heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebensowohl wie Ungesagtes umfasst“ (Foucault, 1978, S. 119-120). Die Verbindungslinien zwischen diesen Elementen – ein Konglomerat von machtvollen Praktiken – machen nach Foucault das Dispositiv aus, wie er es anhand des Sexualitätsdispositivs beschrieben hat (Foucault, 1977). Geschlecht wird diesem dispositivtheoretischen Verständnis nach als gesellschaftliche, kulturelle Praxis hervorgebracht gedacht und als Wirkung eines „Machtbeziehungsbündels“ (Lorey, 1999, S. 94) von Subjektivierung, Diskursivierung und Materialisierung verstanden. [1]

Dienstag, 09 September 2014 13:10

Gender Mainstreaming

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Gender Mainstreaming ist eine gleichstellungspolitische Strategie, die daraufhin ausgerichtet ist, sämtliche Entscheidungen in einer Organisation kritisch auf ihre Auswirkungen auf die von geschlechterbezogenen Ungleichheiten unterschiedlich geprägte Lebensrealität von Frauen und Männern zu überprüfen und diesbezüglich bestehende Differenzen abzubauen. Diese Strategie beinhaltet nach der viel zitierten Definition des Europarats folgende Elemente: “Gender mainstreaming is the (re)organisation, improvement, development and evaluation of policy processes, so that a gender equality perspective is incorporated in all policies at all levels and at all stages, by the actors normally involved in policy-making“ (Council of Europe, 2014). Die Entwicklung der Strategie geht auf die internationale Frauenbewegung und ihre Erfahrungen mit der Entwicklungspolitik zurück (Mense, 2010, S. 83-84; Stiegler, 2010, S. 934). Als verpflichtende Empfehlung wurde das Begriffspaar Gender Mainstreaming erstmals im Abschlussdokument der Aktionsplattform der vierten Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 verankert und von den Vereinten Nationen übernommen (United Nations, 1995; Mense, 2010, S. 84; Cordes, 2010). Die Europäische Union nahm Gender Mainstreaming 1997 / 1999 in den Amsterdamer Vertrag auf. Durch die Unterzeichnung des Vertrages ist Gender Mainstreaming in der BRD für alle Bereiche der Bundespolitik und der Bundesverwaltung verbindlich (Bock, Matthies, Riegraf & Zimmermann, 2005, S. 173). Implementiert ist die Strategie vor allem im öffentlichen Sektor, weniger in der Privatwirtschaft. In letzterer findet Gleichstellung vor allem im Zusammenhang mit Diversity Management Anwendung (Cordes, 2010, S. 929). Um die Jahrtausendwende wurde Gender Mainstreaming als Strategie mit einem hohen transformativen Potential wahrgenommen. Jedoch trat etwa ab Mitte der 2000er Jahre eine „Phase der Ambivalenz und Ernüchterung“ (Sauer, 2014, S. 38) ein, die bis heute andauert. Die Implementierung verlaufe schleppend und nach 15 Jahren betrachten vor allem auf nationaler Ebene Organisationen und öffentliche Behörden Geschlecht nach wie vor nicht als relevante Kategorie (Sauer, 2014, S. 38) [1].

Dienstag, 26 August 2014 14:06

Subjekt

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Subjekt ist die folgenreiche Selbstbeschreibung des modernen Menschen, mit der sich dieser als Grundlage von Erkenntnis und als Ursache von Handlungen setzt. Die historischen Ursprünge dieses selbstreferenziellen Verständnisses gehen nicht zuletzt auf Descartes’ (2008 [1641]) Verankerung der Selbstgewissheit des ‚Ich’ im eigenen Denken zurück und finden in Kants (1998 [1781]) Verortung der Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis im apriorischen Denkapparat des Subjekts eine paradigmatische Begründung. Gegen diese eher atomistischen Vorstellungen setzte Hegel (1986 [1807]) wiederum die Annahme einer grundlegenden Intersubjektivität; erst indem es sich im Anderen reflektiere, entstehe das Selbstbewusstsein. Aus einer feministischen Perspektive ist dieses moderne Subjektverständnis insofern folgenschwer, als es nicht nur ein spezifisches Verhältnis von (individueller) Innerlichkeit und äußerlichen (erkennbaren und potentiell beherrschbaren) Bedingungen impliziert, sondern weil zudem der Anspruch einer allgemeinen menschlichen Subjekthaftigkeit konstitutiv mit einer binären Geschlechterordnung verbunden ist: Die „Generalisierung des Mannes zum Menschen“ ging historisch mit der „Besonderung der Frau“ (Honegger, 1991, S. 6) zum Objekt, zum ‚Anderen’ des Mannes, einher. [1]

Mittwoch, 16 Juli 2014 18:04

Pierre Bourdieu

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Pierre Bourdieu (1930-2002) war ein französischer Soziologie, der von 1981 bis 2001 einen Lehrstuhl für Soziologie am Collège de France innehatte. Die Entwicklung seines umfassenden Werks und die Entfaltung seiner soziologischen Perspektive sind eng mit seiner Lebensgeschichte verknüpft, wie es Bourdieu auch in seinem „Soziologischen Selbstversuch“ (vgl. Bourdieu, 2002) veranschaulicht hat. Geboren in einem kleinen Dorf am Fuße der Pyrenäen gelang Bourdieu der soziale Aufstieg in eine der renommiertesten Universitäten Frankreichs, der École normale supérieure de Paris, an der er 1954 seine Agrégation in Philosophie ablegte. Während seines Wehrdiensts im algerischen Befreiungskrieg ab Mitte der 1950er Jahre unternahm Bourdieu erste Untersuchungen zur Genese ökonomischer Haltungen und deren sozialer Bedingtheit (Bourdieu, 2000, S. 21). Mit diesen Studien wendete er sich zunehmend von der Philosophie ab und gelangte über die Ethnologie zur Soziologie. Bourdieu arbeitete mit einem breiten methodischen Spektrum und in meist großen Forschungsgruppen. Seine wissenschaftliche Vorgehensweise ist durch eine enge Verflechtung von Theorie und Empirie charakterisiert – theoretische Vorüberlegungen fundieren die empirischen Erhebungen, welche wiederum zur Weiterentwicklung und Modifikation der theoretischen Annahmen und für Generalisierungen dienen. Daher sind seine zentralen Konzepte und Begriffe wie Habitus und Feld als die „zwei Zustände des Sozialen“ (Bourdieu, 2001, S. 193), sozialer Raum und Kapital, die der Untersuchung der Klassenverhältnisse zugrunde liegen (vgl. Suderland, 2009b), nicht als eindeutig festgelegt und definiert zu verstehen, sondern als in verschiedenen Kontexten einsetzbare soziologische Erkenntniswerkzeuge (vgl. Krais, 2004, S. 173; Brubaker, 1993). [1]

Dienstag, 24 Juni 2014 11:08

Arbeitsmarktsegregation

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Unter Segregation (lat. segregare: teilen, absondern) wird die ungleiche Verteilung von Gruppen mit spezifischen Merkmalen auf verschiedene Bereiche oder Positionen in der Gesellschaft verstanden. Im Kontext der geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsegregation wird die Ausdifferenzierung nach Geschlecht innerhalb verschiedener Sphären der Erwerbsarbeit in den Blick genommen. Konkret handelt es sich um die Ungleichheit in der Präsenz von Männern und Frauen in Betrieben, Berufen, Berufsfeldern oder auf Hierarchieebenen (Achatz, 2008). Dabei ist festzustellen, dass die Geschlechtersegregation in der Regel negative Auswirkungen, wie beispielsweise schlechtere Bezahlung oder geringere Aufstiegschancen, auf Frauen hat (Teubner, 2008, S. 501). [1]

Da die Männlichkeitsforschung, die sich jenseits von biologischem Essentialismus der Erforschung kultureller Vorstellungen über das Geschlecht des Mannes verschrieben hat, relativ spät Akzeptanz in der Geschlechterforschung fand, hat sich auch in der Literaturwissenschaft erst im Lauf der 1990er-Jahre ein umfassendes Interesse an der Kategorie Männlichkeit eingestellt. [1]

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