Dienstag, 09 Juni 2015 00:00

Feministische Filmtheorie

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Feministische Filmtheorien erforschen Kino als kulturelle Institution und untersuchen vor allem seine geschlechtsspezifischen Repräsentationsstrategien, seine Subjektivitätskonzepte und seine geschlechterdifferenten Produktions- und Rezeptionsbedingungen. Zum Einsatz kommen dabei analytische Ansätze des Poststrukturalismus wie Semiotik, Psychoanalyse, Dekonstruktion und Diskuranalyse, aber auch ethnografische oder soziologische Modelle, welche die Geschlechterlogiken und -codierungen des Films sowie ihre Koinzidenz mit anderen Medien und kulturellen Phänomenen zu beschreiben ermöglichen. [1]

Montag, 01 Juni 2015 00:00

Pornographie

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Etymologisch leitet sich der Begriff Pornographie aus dem Griechischen von „pornográphos“ (πορνογράφος), „über Huren schreibend“, ab (vgl. Paul, 2002). Vermutlich wurde er erstmals und in diesem Sinne 1769 von Restif de la Bretonnes in seiner Abhandlung „Le Pornographe“ verwendet (vgl. Hunt, 1994, S. 11). Der heutige Gebrauch des Begriffs ist vielfältig (vgl. Döring, 2011b, S. 230-234): Inhaltlich-funktionalen Definitionen zufolge liegt Pornographie dann vor, wenn nackte Körper bei sexuellen Handlungen direkt und detailliert zu sehen sind. Pornographie in diesem Sinn umfasst professionelle, kommerzielle heterosexuelle Mainstreampornographie sowie beispielsweise kommerzielle wie nicht-kommerzielle queere, schwule, lesbische, feministische Pornographien und Amateurpornographien. Juristische Definitionen erfassen bestimmte negativ konnotierte sexuell explizite Darstellungen. In der Alltagssprache kann der Begriff auch sexuelle Darstellungen erfassen, die keine Pornographie im juristischen Sinn sind, er kann zudem Bezüge zu Nichtsexuellem herstellen. Darunter fallen popkulturelle Verwendungen des Begriffs wie Porno-Rap oder die Benutzung des Adjektivs porno im jugendkulturellen Sprachgebrauch (vgl. Döring, 2013, S. 420). Als pornographisch werden sexuell explizite und sexuell nicht explizite Darstellungen auch bezeichnet, um sie als unmoralisch zu kennzeichnen, etwa wenn sie als sexistisch oder als ungehörig empfunden werden (vgl. Schubarth, 2010). [1]

Donnerstag, 02 April 2015 11:23

Gehirnforschung

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Die Gehirnforschung (Synonym: Neurowissenschaften) ist ein naturwissenschaftlicher Forschungsbereich, der sich in den letzten ca. 150 Jahren aus den Disziplinen Anatomie, Embryologie, Physiologie, Pharmakologie und Psychologie entwickelt hat. Sie untersucht den Aufbau (Anatomie) sowie die Funktionsweise (Physiologie) des menschlichen Gehirns in ihren Bezügen zu Verhaltensweisen sowie kognitiven Vorgängen wie Wahrnehmung, Gedächtnis, Emotionen und Sprache (vgl. Kandel, Schwartz & Jessell, 2011). Wissenschaftshistorisch umfasst Gehirnforschung in einem weiteren Sinne eine schon im Neolithikum (etwa 10.000 – 2000 v. Chr.) einsetzende praktische und theoretische Auseinandersetzung mit dem Schädelinneren, die im Rahmen der europäischen Geschichte als zentraler Beitrag zur Selbstverständigung des Menschen weitergeführt wurde. Das um 1800 einsetzende Bestreben, das Gehirn nicht länger als Sitz und Werkzeug der Seele anzusehen, sondern in seinem materiellen Substrat die geistigen Funktionen und menschlichen Charaktereigenschaften zu lokalisieren, begründete die moderne Hirnforschung (Hagner, 2008). [1]

Mittwoch, 04 März 2015 16:59

Beschneidung

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Im deutschen Sprachgebrauch können mit Beschneidung bzw. mit dem Verb beschneiden sowohl ganz allgemein Formen des Stutzens und Einschränkens als auch jene Praxen bezeichnet werden, die genitalverändernde Eingriffe, geschlechtsspezifische und -vereinheitlichende Körpernormierungen umfassen. Bei Letzteren sind medizinisch indizierte und medizinisch nicht indizierte, z. B. religiöse, auf Traditionen beruhende sowie kosmetische Beweggründe zu unterscheiden. Da die Motive, Durchführungsweisen und gesellschaftlichen Verankerungen von Beschneidungspraxen sehr komplex und heterogen sind, lassen sie sich nur im Rahmen historischer, regionaler und kultureller Kontextualisierungen umfassend verstehen. [1]

Sonntag, 25 Januar 2015 13:18

Postkoloniale Theorie

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Postkoloniale Theorie bezeichnet ein breites Spektrum theoretischer Zugänge zu und kritischer Auseinandersetzungen mit historischen und gegenwärtigen Machtverhältnissen, die im Zusammenhang mit dem europäischen Kolonialismus und seinen bis heute währenden Fortschreibungen stehen. Vier zentrale Anliegen postkolonialer Theorie können formuliert werden: (1) die Analyse der Konstruktion von in binärer Opposition stehenden Selbst- und Fremdrepräsentationen (Othering) in einem historischen Prozess, der durch wechselseitige Konstitution und strukturelle Ungleichheit geprägt ist (vgl. Amos & Parmar, 1984; Mohanty, 1997; Said, 1978); (2) die Untersuchung von Machtrelationen, Ausbeutung und Hierarchien, welche mittels kultureller Repräsentation und politischer Kontrolle stabilisiert werden (vgl.  Bhabha, 1994; hooks, 1989; Spivak, 1988, 1994); (3) die Analyse von Kolonisierung als gewaltsamen Prozess der Subjektkonstitution, die den domestizierten Anderen durch pädagogische und performative Praktiken erschafft (vgl. hooks, 1994, 2003, 2010); und (4) die Transformation von kolonialen (Ohn-)Machtkonzepten, die das koloniale Subjekt als handlungsunfähiges Objekt konstruieren, in (selbst-)ermächtigende Handlungskonzepte (vgl. agency bei Homi K. Bhabha, 1994 und Konzept des talking back bei bell hooks, 1989). Neben das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse tritt ein normatives political commitment, das sich in einer parteilichen, bisweilen intervenierenden Wissenschaftspraxis äußert. Der zum Teil synonym verwendete Begriff Postkoloniale Kritik rückt das politische Engagement stärker in den Fokus. [1]

Freitag, 23 Januar 2015 12:59

Männliche Herrschaft

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Die Männliche Herrschaft ist ein soziologisches Konzept von Pierre Bourdieu (1930-2002) zur Untersuchung der sozialen und symbolischen Kräfteverhältnisse zwischen den Geschlechtern (vgl. Bourdieu, 1997a, 1997b, 2001, 2005a). Im Mittelpunkt stehen soziale Klassifikationsprozesse auf der Ebene der sozialen Praxis, deren Resultat die als natürlich und legitim erscheinende „binär-hierarchisch heteronormative Einteilung der Menschen in zwei entgegengesetzte Geschlechter“ (Jäger, König & Maihofer, 2012, S. 20) ist. Die Männliche Herrschaft stellt für Bourdieu die „paradigmatische Form der symbolischen Herrschaft“ (Bourdieu & Wacquant, 2006, S. 208) dar. Es handelt sich nicht um eine genuine Geschlechtertheorie, vielmehr wendet Bourdieu seine soziologischen Erkenntniswerkzeuge (vor allem die Konzepte des Habitus und der symbolischen Gewalt) auf das Phänomen Geschlecht an (zur Anwendung auf die Prozesse der Rassifizierung und Ethnisierung vgl. Brubaker, 2009; Wacquant, 2001, 2008). Bourdieu interessieren die sozialen Mechanismen der Naturalisierung, also wie es zu einer „Enthistorisierung und […] relative[n] Verewigung der Strukturen der Geschlechterteilung“ (Perrot, Sintomer, Krais & Bourdieu, 2002, S. 300) kommt (vgl. Bourdieu, 2005a, S. 43). [1]

Donnerstag, 15 Januar 2015 11:01

Männlichkeit in der Soziologie

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Die soziologische Disziplin zeichnete sich in ihren Anfängen seit Ende des 19. Jahrhunderts, ähnlich wie viele Wissenschaftsdisziplinen, durch eine geringe Aufmerksamkeit gegenüber der Kategorie Geschlecht aus. Die wenigen Soziologinnen, welche in der Anfangszeit Geschlecht thematisierten, wendeten sich dem unterdrückten weiblichen Geschlecht zu (Hering, 2008). Einzig Georg Simmel (1858-1918) wies in seinen Analysen bereits darauf hin, dass „im geschichtlichen Leben unserer Gattung die Gleichung: objektiv = männlich [besteht]“ (Simmel, 1985, S. 200). So nahmen die Soziologen meist nur den Mann in den Blick, den sie als Repräsentant des „schlechthin Allgemeine[n]“ (Simmel, 1985, S. 214) verstanden. Dieses Phänomen wurde erst in den 1970er Jahren mit dem Entstehen der Frauenforschung öffentlich thematisiert und skandalisiert (vgl. Mies, 1978). In der Folge entstand eine Reihe von empirischen Untersuchungen und theoretischen Konzepten, die sich den Lebenswelten, Sichtweisen und Identitätsentwürfen von Frauen näherten. Diese Arbeiten waren mit „mehr oder minder explizit gemachten Annahmen über den Mann und Männlichkeit“ (Meuser, 2006a, S. 11) verbunden. Dass dieser Blick oftmals einseitig war, wurde Mitte der 1980er Jahre in der Frauenforschung kritisiert. In der Folge entstand eine Debatte zu der Frage, ob und wie Männer und Männlichkeit Gegenstand der feministischen Forschung sein könnten, diese Diskussion brach jedoch Ende der 1980er Jahre ab (Bereswill, Meuser & Scholz, 2009). [1]

Montag, 15 Dezember 2014 13:52

Neuer Geschlechtervertrag

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Der Geschlechtervertrag gilt als Grundlage für einen Gesellschaftsvertrag und als Bestandteil moderner Staatlichkeit (vgl. Wilde, 2009, S. 31). Er beschreibt einen fiktiven Vertrag zwischen den Geschlechtern, welcher die Beziehungen zwischen diesen regelt und dabei Männern und Frauen unterschiedliche Rechte und Pflichten zuweist. Das Konzept des Geschlechtervertrags basiert auf der Annahme, dass es „in allen modernen Gesellschaften einen historisch gewachsenen sozio-kulturellen Konsens über die jeweilige Ausprägung der Verkehrsformen der Geschlechter, ein gemeinsam von Männern und Frauen getragenes Leitbild und Lebensmuster über die ,richtige’ Form der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, die Familienform und die Art und Weise der Integration der beiden Geschlechter in die Gesellschaft über den Arbeitsmarkt und / oder über die Familie gibt“ (Schenk, 1995, S. 478; vgl. Patemann 1988, 1994). Die britische Kultur- und Kommunikationswissenschaftlerin sowie cultural studies-Vertreterin Angela McRobbie greift dieses Konzept auf und diagnostiziert einen Neuen Geschlechtervertrag. In ihrer Studie „Top Girls – Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes” (McRobbie, 2010) konstatiert sie, dass gegenwärtig jungen und gut ausgebildeten Frauen aus westlichen Ländern von Seiten neoliberaler Regierungsformen und Popkulturen ein Neuer Geschlechtervertrag („new sexual contract or new deal for young women“) (McRobbie, 2009, S. 57) ,angeboten‘ wird. McRobbie orientiert sich in ihrer Begriffsverwendung des Neuen Geschlechtervertrags vor allem an Carol Patemans Bezeichnung „The Sexual Contract“ (1988). Mit diesem Terminus kritisiert Pateman, dass es sich beim Gesellschaftsvertrag um eine bürgerliche Vertragsidee unter Männern handelt. Diese gründet auf geschlechtsspezifischen, androzentrischen Perspektiven, welche Frauen den Zugang zur öffentlichen Sphäre verwehren. (vgl. Sauer, 2001, S. 123). [1]

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