Dienstag, 24 Januar 2017 13:07

Biologische Evolutionstheorie

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Biologische Evolutionstheorie beschreibt und erklärt die sukzessive Veränderung von Arten durch Vererbung. Sie geht dabei davon aus, dass sich die heutige Vielfalt lebender Organismen über lange Zeiträume hinweg aus früheren Arten entwickelte. Dieser Artenwandel vollzieht sich durch das Wirken verschiedener Evolutionsfaktoren (Zrzavý, Burda, Storch, Begall & Mihulka, 2013; Storch, Welsch & Wink, 2013). War die Frage nach der Erklärung von Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Organismen bereits in der Antike relevant, so wird wissenschaftshistorisch mit der biologischen Evolutionstheorie auf Anfang des 19. Jahrhunderts einsetzende Erkenntnis- und Erklärungszusammenhänge zur Artenentwicklung referiert (Bowler, 1989). Eine umfassende Theorie der biologischen Evolution wurde erstmalig von Charles Darwin (1809–1882) entworfen. In seiner 1859 erschienenen Studie On the Origin of Species sowie weiteren Arbeiten entwickelte er eine Abstammungslehre, die die Entwicklung, gemeinsame Deszendenz und Divergenz von Arten vorrangig durch den Mechanismus der natürlichen Selektion erklärt (Darwin, 1859, 1871, 1872). [1]

Dienstag, 24 Januar 2017 12:28

Frauen- und Geschlechtergeschichte

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Frauen- und Geschlechtergeschichte verfolgt das Anliegen, die Gewordenheit von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen zu verstehen, bisherige Darstellungen darüber kritisch zu hinterfragen und neue Erzählungen des Vergangenen für die Gegenwart zu entwickeln. Geschichtsschreibung beabsichtigt, die Vergangenheit darzustellen. Sie drückt das Prozesshafte des gesellschaftlichen Werdens aus und wendet sich gegen die Ahistorisierung von Ideen, Ereignissen und Zuständen. Zugleich ist Geschichte von den Interpretationen und Narrativen ihrer Produzent_innen geprägt (vgl. Koselleck, 1975, S. 691–715). Im 19. Jahrhundert wird unter dem Einfluss des Historismus durch die Heranziehung von empirischen Methoden die Geschichtsschreibung ‚verwissenschaftlicht‘ (Lutz, 2003, S. 66–68). Diese ‚allgemeine‘ Geschichtswissenschaft beansprucht, die Vergangenheit anhand der Quellen so darzustellen, ‚wie es eigentlich gewesen ist‘ (vgl. Ranke, 2011 [1824], S. 94; Droysen, 2011 [1868], S. 199). Die damit einhergehenden Prämissen der Neutralität und Unparteilichkeit verschleiern jedoch ihre eigene Ideologieanfälligkeit (vgl. Nietzsche, 2009 [1884]; Troeltsch, 2008 [1922]; Wecker, 2007, S. 29–30). Materielle, ideologische und dabei auch geschlechterhegemoniale Konzepte werden durch die ‚allgemeine Geschichte‘ als ‚natürlich‘ dargestellt. Feministische Historiker_innen streben hingegen eine Emanzipation von einem Geschichtsverständnis an, das die Vergangenheit als ‚Geschichte großer Männer‘ darstellt, die Binarität der Geschlechter als gegeben ansieht und männliche Hegemonie reproduziert (vgl. Kelly-Gadol, 1977; Bridenthal & Koonz, 1977). Sie beforschen die historischen Dimensionen von Geschlechterordnungen, deren Transformationen sowie Intersektionen und Wechselwirkungen mit anderen Kategorien sozialer Differenz. Frauen- und Geschlechtergeschichte setzt sich eine Vergeschlechtlichung von historischen Narrativen, Methoden und geschichtstheoretischen Ansätzen wie Geschichte von unten, Ethnohistorie, Oral History und Alltags- und Mikrogeschichte zur Aufgabe. Dieser emanzipatorische Zugang lässt sich auch unter den Begriff feministische Geschichtswissenschaft fassen. Mit ihren multiperspektivischen, interdisziplinären, postkolonialen und intersektionalen Ansätzen (vgl. Cox, 1999) verfolgen feministische Historiker_innen nicht zuletzt auch geschichtskulturelle und -politische Ziele. [1]

Mittwoch, 11 Januar 2017 11:53

Feministische Staatstheorie

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Feministische Staatstheorie ist eine Subdisziplin der Politikwissenschaft und politischen Philosophie, die den Staat in seinen vergeschlechtlichten und vergeschlechtlichenden Dimensionen analysiert. Das Ziel feministischer Staatstheoretiker_innen ist ein doppeltes: Konzepte des Kanons der Politikwissenschaft zu erweitern, indem deren Vergeschlechtlichung sichtbar gemacht wird, und neue Konzepte in die Staatstheorie einzuführen, die im Kanon als naturgegeben vorausgesetzt werden und deshalb nicht als Teil dessen gelten (vgl. Ludwig, Sauer & Wöhl, 2009). [1]

Sonntag, 20 November 2016 18:58

Sexarbeit

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Sexarbeit bezeichnet eine konsensuelle sexuelle oder sexualisierte Dienstleistung zwischen volljährigen Geschäftspartner_innen gegen Entgelt oder andere materielle Güter (vgl. u. a. Schuster, Sülzle & Zimowska, 2010). Der Begriff Sexarbeit wird auf verschiedene Weisen verwendet. Im weiteren Sinne handelt es sich um einen Oberbegriff für sämtliche Formen sexueller und erotischer Arbeit. Prostitution, also die explizit körperliche „Ausübung, Erduldung und Stimulation von sexuellen Handlungen gegen Entgelt“ (Zurhold, 2002, S. 105) stellt damit einen Teilbereich von Sexarbeit dar. Im Kontext sex-positiver feministischer Politiken wird der Begriff Sexarbeit auch synonym für Prostitution verwendet, um deren Dienstleistungscharakter zu betonen und eine Anerkennung von Sexarbeit als Lohnarbeit zu befördern. [1]

Dienstag, 25 Oktober 2016 12:28

Hip-Hop-Feminismus

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Der Terminus hip-hop feminism (dt.: Hip-Hop-Feminismus) geht auf die amerikanische Kulturkritikerin Joan Morgan und ihre Streitschrift When Chickenheads Come Home to Roost: A Hip-Hop Feminist Breaks it Down zurück (vgl. z. B. Peoples, 2008, S. 20; Lindsey, 2015, S. 55–56). Darin thematisiert sie unter anderem die schwierige Vereinbarkeit feministischen Gedankenguts mit ihrer Vorliebe für die patriarchal geprägte Hip-Hop-Kultur und plädiert für einen Feminismus, der den Lebenswelten von women of color der sogenannten hip-hop generation (Jahrgänge 1965–1984) gerechter wird (Morgan, 1999; Kitwana, 2002). Anhänger_innen des hip-hop feminism sind meist junge women of color aus dem akademischen Milieu. Der Begriff hip-hop feminism wird dabei, ebenso wie das Label feminism, längst nicht von jede_r Aktivist_in geteilt (Peoples, 2008, S. 26–27; Morgan, 1999, S. 52). [1]

Mittwoch, 21 September 2016 14:15

Frauenliteratur

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Frauenliteratur ist ein Sammelbegriff, der das gesamte von Frauen verfasste Schrifttum bezeichnet. Im engeren Sinne wird darunter Literatur verstanden, die von Frauen für Frauen geschrieben wurde und ‚weibliche Erfahrung‘ thematisiert (vgl. Osinski, 2006; Stephan, 2007; Wilpert, 2013). Frauenliteratur wird zudem als Label für die Vermarktung von Texten, die hauptsächlich von Frauen gelesen werden, verwendet (vgl. Reichwein, 2009, S. 95). Allen Lesarten gemeinsam ist, dass die Definition über vergeschlechtlichte Subjekte – Autor_innen, Leser_innen, Protagonist_innen – erfolgt, ganz im Gegensatz zur unmarkierten (‚Männer‘-)Literatur, die in der Tradition männlicher Autorschaft als ‚Norm‘ gilt und daher nicht deklariert wird. Dass ‚das weibliche Geschlecht‘ als literarisches Konzept fungiert, birgt die Gefahr der Homogenisierung und Marginalisierung der Literatur von oder für Frauen. Um dieser Problematik zu begegnen, hat Sigrid Weigel vorgeschlagen, Frauenliteratur nicht als Gattungs- bzw. Genrebegriff, sondern als diskursives Ereignis zu verstehen (vgl. Weigel, 1987, S. 19). Dadurch wird die Frage nach den „Möglichkeitsbedingungen und Defiziten [...], aus denen heraus der Diskurs der ‚Frauenliteratur‘ entstanden ist“, und danach, „welche Spuren er in der Gegenwartsliteratur von Frauen hinterlassen hat“ (Weigel, 1987, S. 19), in den Mittelpunkt gerückt. [1]

Freitag, 08 Juli 2016 12:44

Heteronormativität

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Heteronormativität ist ein zentraler Begriff der Queer Theory, mit dem Naturalisierung und Privilegierung von Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit in Frage gestellt werden. Das bedeutet, dass nicht nur die auf Alltagswissen bezogene Annahme, es gäbe zwei gegensätzliche Geschlechter und diese seien sexuell aufeinander bezogen, kritisiert wird, sondern auch die mit Zweigeschlechtlichkeit und (ehevertraglich geregelter) Heterosexualität einhergehenden Privilegierungen und Marginalisierungen. Der Begriff Heteronormativität dient zur Analyse und Kritik der Verflechtung von Heterosexualität und Geschlechternormen, mit denen Macht-, Ungleichheits- und Herrschaftsverhältnisse einhergehen (vgl. Engel, 2009, S. 19). Mit ihm werden Reproduktionsmechanismen und institutionelle Zwänge in den Blick gerückt, die Heterosexualität als zeitlose, unveränderbare Institution und ohne Geschichte erscheinen lassen (vgl. Hark, 2009, S. 318). „Analysiert wird, wie Heterosexualität in die soziale Textur unserer Gesellschaft, in Geschlechterkonzeptionen und in kulturelle Vorstellungen von Körper, Familie, Individualität, Nation, in die Trennung von privat/öffentlich eingewoben ist, ohne selbst als soziale Textur bzw. als produktive Matrix von Geschlechterverhältnissen, Körper, Familie, Nation sichtbar zu sein.“ (Hark, 2009, S. 318). [1]

Das Präfix ‚trans-‘ ist aus dem Lateinischen hergeleitet und bedeutet jenseits - im Gegensatz zu ‚cis‘ diesseits. Wird das Präfix trans- vor Begriffe wie Geschlecht, Migration oder Kultur gesetzt, verweist es auf „Phänomene der spannungsreichen und unaufgelösten Ko-Präsenz von gegensätzlichen Semantiken, Sinn-Komponenten oder Zugehörigkeiten“ (Lösch, 2005, S. 252-253). Das mit trans* verbundene Erkenntnisinteresse zielt auf die Untersuchung der Herstellung von vermeintlichen Eindeutigkeiten in empirischer wie konzeptuell-theoretischer Hinsicht sowie auf damit einhergehende Ausschlüsse und Verwerfungen. Im Mittelpunkt stehen Momente „der Ungewissheit, der Unentscheidbarkeit und des Widerspruchs, die in Differenzkonstruktionen auf der Basis binärer Ordnungslogik ausgeblendet werden“ (Lösch, 2005, S. 252). [1]

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